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Cover vom deutschen Hörbuch „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro.

Kazuo Ishiguro – Literaturnobelpreis von 2017

Wofür erhielt Kazuo Ishiguro den Nobelpreis?

Der britische Schriftsteller japanischer Herkunft erhielt den Literaturnobelpreis, weil er „in Romanen von starker emotionaler Wirkung den Abgrund in unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt aufgedeckt hat“.

 

Welches Werk habe ich gehört und warum?

Ich wählte seinen berühmtesten Roman „Was vom Tage übrigblieb“, der 1989 mit dem Booker Prize ausgezeichnet und sehr erfolgreich mit Sir Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen verfilmt wurde. Bisher habe ich den Film nicht gesehen. Das Hörbuch war mein erster Kontakt mit dem Autor und ich habe eine Weile gebraucht, um mich reinzuhören. Der Butler Stevenson erzählt darin von seiner Arbeit auf dem Landsitz Darlington Hall im Bezirk Oxfordshire. Ich bin komplett ohne Vorwissen in den Roman eingestiegen und war mir lange nicht sicher, was der Autor mir damit sagen will. Ob es Kazuo Ishiguro um das typische Leben eines Butlers ging oder die Vorgeschichte und Wirren des Krieges. Stevenson erzählt sowohl von der Zeit, die er für Lord Darlington gearbeitet hat. Nach dem Tod des Lords wurde das Anwesen an den amerikanischen Millionär Farraday verkauft, der einen komplett anderen Führungsstil und eine teilweise andere Erwartungshaltung an den Tag legte.

Filmplakat von „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro.

Wie bewerte ich das Werk von Kazuo Ishiguro?

Für mich ist es bei einem Buch wichtig, dass ich mich mit der Hauptfigur oder einer wichtigen Nebenfigur identifizieren kann. Das war hier nicht der Fall und somit hat es mir keinen großen Genuss bereitet voranzuschreiten. Es fühlte sich für mich mehr wie ein Sachbuch an. Ich erhielt eine Beschreibung davon, wie ein Mensch sich komplett der Aufgabe hingibt und dafür fast komplett seine eigenen Emotionen einzwängt, beherrscht und negiert. Als es seinem Vater schlecht geht und er später verstirbt, bleibt Butler Stevenson scheinbar unberührt und geht weiter seinem Job nach. Miss Kenton, die Haushälterin, die sich zu Stevenson hingezogen fühlt, wird immer wieder zurückgewiesen und gemaßregelt.

Als Stevenson für einen Urlaub das Auto von Farraday erhält, um einen Ausflug zu unternehmen, und auf verschiedene Leute trifft, vor denen er teilweise seine Arbeit für Lord Darlington sogar abstreitet, war ich komplett irritiert. Es mag ein großes Werk sein. Vielleicht schaue ich mir eines Tages den Film an und finde dann einen besseren Zugang dazu. Aber jemand der seine Gefühle so sehr kontrolliert, ist für mich ein bedauernswertes Geschöpf, das mich allerdings nicht weiter interessiert. Ich finde nichts heroisch daran. Strenge Hierarchien mag ich nicht und bin sehr froh darüber in der heutigen Zeit zu leben, wo Demokratie einen hohen Stellenwert hat.

Meiner Meinung nach sind wir hochgradig emotionale und soziale Wesen und wenn wir unsere Emotionen massiv unterdrücken und uns nicht damit auseinandersetzen, macht uns das kaputt. Deshalb empfinde ich einmal mehr eine starke innere Ablehnung gegen Systeme, die darauf beruhen, Menschen ungleich zu behandeln und anzusehen und in ein oben und unten zu teilen.

 

Wie ist das Werk gealtert?

Das Werk von Kazuo Ishiguro ist knapp 30 Jahre alt. Es bietet einen Einblick in die Zeit zwischen den Weltkriegen und zeigt auf, wie sich nach dem 2. Weltkrieg das Leben der britischen Elite verändert. Wo früher nur Adel regierte, kommen nun „Neureiche“ ins Spiel, erwerben Landsitze und haben ganz andere Maßstäbe und Bedürfnisse an ihr Personal. Die Zeit hat dem Buch nicht geschadet. Entweder man mag die Geschichte und handelnden Figuren oder nicht. Stilistisch erkenne ich es als großes Werk an. Emotional gefällt es mir nicht.

 

Was kann ich für mein Schreiben daraus mitnehmen?

Ich plane für die Zukunft, auch Bücher für Erwachsene zu schreiben. Für diese nehme ich mir mit, das man mit gezielten Szenen einen langen Zeitraum beschreiben und Veränderungen deutlich machen kann. Außerdem ist mir bewusst geworden, dass ich für einen bestimmten Stil Bücher nicht gemacht bin. In meinen Büchern sollen die Figuren glücklicher und zufriedener als am Anfang sein. Ich möchte zeigen, dass es gut ist, sich selbst nahe zu sein und seine Emotionen ganz bewusst zu spüren. Denn ich glaube daran, dass dadurch ein zufriedenes Leben möglich ist und man viel offener und freundlicher mit seinen Mitmenschen sein kann.

Bis bald,
Eure Nele

Projekt: Literaturnobelpreisträger