Saul Bellow - Nobelpreisträger für Literatur von 1976 I Blogbeitrag
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Cover vom englischen Hörbuch "Herzog" von Saul Bellow.

Saul Bellow – Literaturnobelpreis von 1976

Wofür er hielt Saul Bellow den Nobelpreis?

Der US-amerikanische Autor erhielt den Literaturnobelpreis „für das menschliche Verständnis und die subtile Kulturanalyse, die in seinem Werk vereinigt sind“.

Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der jüdisch-amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

 

Welches Werk habe ich gehört und warum?

Ich habe mir „Herzog“ als Hörbuch auf Englisch angehört, da Audible bisher keine deutsche Version im Angebot führt. Das Buch gehört zu seinen Hauptwerken und es spielt in Chicago. Da ich selber 1,5 Jahre in der Metropole am Michigansee gelebt habe, interessieren mich Bücher, die dort spielen immer besonders. Als ich las, dass das Time Magazin „Herzog“ zu den 100 besten englischsprachigen Bücher zählt, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden, stand meine Wahl endgültig fest.

 

Wie ist das Werk gealtert?

Saul Bellow stellt den Literaturwissenschaftler Moses Herzog in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Moses befindet sich in einer Sinnkrise. Seine zweite Ehefrau Madeleine betrügt ihn mit seinem ehemals besten Freund Valentine Gersbach. Eben diesem Gersbach hatte er zuvor noch eine gute Anstellung beim Radio in Chicago besorgt. Es bedrückt Moses, dass er Madeleine verliebt. Er hatte wegen ihr seine Universitätskarriere aufgegeben, um mit ihr aufs Land zu ziehen. Aus erster Ehe gibt es einen halbwüchsigen Sohn, um den er sich aber nur wenig kümmert. Die Tochter aus zweiter Ehe liebt er innig und versucht sie zu sehen, was sich zu immer größeren Obsessionen auswirkt. Er gerät in einen Autounfall, als er mit seiner Tochter unterwegs ist. Vermutlich ist sein schlechter psychischer und physischer Allgemeinzustand mit daran schuld.

Ein alter jüdischer Freund und sein Bruder stehen ihm immer wieder helfend zur Seite, egal wie wunderlich Moses wird. E gibt auch immer wieder Frauen im Leben von Moses Herzog. Seine japanische Freundin Sono stellt keinerlei Ansprüche und scheint ihn zu verwöhnen. Obwohl er sich dessen bewusst ist, hilft er ihr nicht, als sie Hilfe nötig hat. Seine neue Freundin Ramona ist eine schöne und intelligente Frau. Eine Frau, die man heiraten könnte, doch dazu kann sich Moses nicht durchringen.

Ich fand die Geschichte spannend und ihre Einblicke in das jüdische Leben der 50er/60er Jahre. Obwohl mir die Hauptfigur nur bedingt sympathisch war, empfand ich dennoch die philosophischen Gedanken zur Besitzverteilung, der Liebe und den politischen Verteilungen spannend.

Das Buch erschien mir manchmal ein bisschen zu langatmig. Ansonsten ist es gut gealtert.

 

Was kann ich für mein Schreiben daraus mitnehmen?

Saul Bellow spielt viel mit der Perspektive und zeigt eine Menge unterschiedlicher Charaktere. Es gibt starke Frauen und eine kritische Betrachtung von Männern. Da das Buch 1964 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, finde ich das sehr fortschrittlich.

Ich nehme für mich mit, dass ich in der Erwachsenenliteratur viel ausprobieren kann, zumindest so lang es keine explizite Unterhaltungsliteratur ist. Denn dafür ist „Herzog“ zu anstrengend. Das Buch verschlingt Gedanken und zwingt den Leser dazu, über das gehörte / gelesene nachzudenken. Gerade durch die Brüche in der Perspektive und die eingeschobenen Briefe. Noch fühle ich mich nicht reif für so einen experimentellen Text, aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren aussieht … 😉

Bis bald,
Nele

Projekt: Literaturnobelpreisträger

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